Eine Geschichte der Kontinuität – Neues Video behandelt die Handlung von Puccinis Turandot

06fa78c38753a7392a734408366c1eadEine Geschichte der Kontinuität – Neues Video behandelt die Handlung von Puccinis Turandot. Es  wird  kaum  jemand  ablehnen  können,  dass Puccinis  letzte  Oper  „Turandot“  zu  seinem bekanntesten und meist aufgeführten Stücke gehören. Sogar Menschen, die sich grundsätzlich mit der Oper nicht beschäftigen, werden die Arie Nessun Dorma kennen, die vom Prinzen Calaf gesungen wird,  indem  er  verspricht,  das  Herz  der  chinesischen  Prinzessin  Turandot  von  „ihren  öffnenden Akkorden zu erobern“. Doch die Quelle dieser Handlung wird vernachlässigt. In der Regel wird davon ausgegangen, dass Puccini auf die Geschichte zugestoßen ist, indem er Schiller gelesen hat und seine Textdichter bat, an diesen Texten zu arbeiten. Allerdings beziehen sich Adami und Simoni auf eine ältere Quelle – das Stück von Carlo Gozzi, Turandot. Eine weitere Tatsache, die wenig bekannt ist, dass Gozzi die Handlung entweder von der Sammlung „Eintausend ein Tag“ von De La Croix oder von der  späteren  Version  des  Buches  von  Alain-René  Lesage  aufgenommen  hat.  Sogar  in  der wissenschaftlichen Lehre ist es kaum bekannt, dass die Ursprünge der Handlung dem Dichter Nizami Ganjavi (1141-1209) und seinem Heft-Peykar-Gedicht (dt. Sieben Schönheiten) zugeordnet werden müssten.

Nun wer ist Nizami und warum muss man ihn kennen? Nizami ist ein Dichter und Philosoph des 12. Jahrhunderts  aus  Ganja,  der  zweitgrößten  Stadt  des heutigen  Aserbaidschan.  Er  war  einer  der Vertreter  des  Multikulturalismus  und  hat  sich  Gedanken über  die  Gleichberechtigung  der Geschlechter  gemacht,  was  zu  dieser  Zeit  untypisch war.  Seine  Gedichte hat  er  überwiegend auf Persisch geschrieben, so dass er nicht nur in seiner Heimatstadt bekannt wurde, sondern auch im Kaukasus, Nahen Osten und in Zentralasien. Doch im restlichen Teil der Welt bleiben seine Werke bis auf bestimmten akademischen Kreise unbekannt.

Die  Handlung  von  Turandot  ist  nur  ein  Teil  eines  großen  Werkes.  Die  „Sieben  Schönheiten“  von Nizami  ist  ein  erotisches5c3ad01e19c74dca3a38ee7dd620df85,  mystisches  und  symbolisches  Stück.  Das  Gedicht  ist  eine  romantisierte Biographie des persischen Kaisers Bahram V. (420-439 n. Chr.) aus dem Sassanidenreich, der sieben Prinzessinnen  aus  verschiedenen  Ecken  der  Welt  geheiratet  hat  –  von  Byzanz  bis  nach  Indien. Verschiedene Handlungen entwickeln sich in einer nichtlinearen Form, es entsteht eine interessante Mischung  aus  der  Intrige  und  der  Entourage.  Das  sind  die  Geschichten  über  die  Farben,  die  am besten  mit  dem  Gefühl  der  Liebe  verbunden  werden  können  –  von  schwarz  auf  weiß  und  der reinsten Form vom lustvollen und sündhaftem Gefühl.

Es  gibt  wenige  Forschungen  über  die  Verbindung  der Geschichte  der  Farbe  Rot  mit  Puccini’s Turandot, die in Sieben Schönheiten erwähnt  werden.Expertinnen  wie  Dr.  Maria  Teresa  Giaveri, Professorin  der vergleichenden Literaturwissenschaften an der Universität Turin und Nizami-Expertin Dr. Christine  van  Ruymbeke  von der Universität Cambridge, sind der  Meinung,  dass das Erbe des Dichters  für  weitere  Untersuchungen  und  die  Entdeckung  von  der  breiteren  Öffentlichkeit  offen bleibt.  Italienischer Komponist Lorenzo Ferrero gibt zu, dass das Vermächtnis von Nizami unbekannt bleibt, weil die Textdichter die Ursprünge der Handlung nicht gekannt haben. “Die einzige Lösung ist die Entwicklung  einer  größeren  Interesse  durch  Experten in  ‚Ost‘-Autoren  und  ihrer  kulturellen Wirklichkeit.“ so Ferrero. Sopran Nina Stemme, die die Rolle von Turandot in der Aufführung von La Scala  2015  durchgeführt  hat,  hatte  die  Möglichkeit, Nizami  näher  kennen  zu  lernen:  “Ich  habe begriffen,  dass  die  Ursprünge  aus  der  orientalischen  Kultur  kommen,  aber  ich  konnte  sie  nicht wirklich zurückverfolgen… Puccini hat es in China gesetzt, aber es gibt noch einen persischen Prinzen und  Calaf  ist  tatarischen  Ursprungs…  Puccini  hat die  Geschichte  mit  seinen  eigenen  Mitteln angepasst.“ Ein kurzes Animationsvideo erzählt diese komplizierte Geschichte des interkulturellen Austauschs. In Zusammenarbeit  mit  dem  Azerbaijan  Student  Network  e.V.,  ein  NGO  aus  Deutschland,  hat  Asli Samadova als Teil einer kuratorischen Initiative das Projekt im Rahmen einer breiteren Initiative  „Milli Irsimiz – the national Heritage of Azerbaijan“ ins Leben gerufen. Das Ziel dieser Initiative ist es, die Bekanntheit der aserbaidschanischen Kultur weltweit zu verbreiten. Das Video ist auf YouTube und auf der TED Plattform abrufbar.

The Video and illustrations: (c) Asli Samadova (P) 2015 Asli Samadova and ASN (Azerbaijan Student Network) Illustrations by Creative 141 Worldwide

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