Pogrom in Baku – Schwarzer Januar von Baku

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“Am 20. Januar 1990 geschah etwas Einzigartiges in der Geschichte der Sowjetunion. Die Welt erfuhr nichts davon”

Robert Kaplan: Reisen an die Grenzen der Menschheit. Wie die Zukunft aussehen wird, München 1996

Im Schatten ihres Untergangs verübte die Führung der Sowjetunion Anfang 1990 eine der blutigsten und in der westlichen Welt bis heute kaum wahrgenommenen Gewaltaktionen gegen das „eigene Volk“.

 

In der Nacht zum 20. Januar stürmten die bis an die Zähne bewaffneten Rotarmisten die aserbaidschanische Hauptstadt Baku, um dort die seit mehreren Monaten andauernden Massendemonstrationen gewaltsam aufzulösen und dadurch die Unabhängigkeistbewegung der Aserbaidschaner zu unterdrücken.

 

Ein furchtbares Massaker war die Folge: 147 Tote und mehr als 700 Verletzte in nur wenigen Stunden! Es war der erste Gewaltakt im 70-jährigen Bestehen der Sowjetunion auf eigenem Territorium, der aber an der Weltöffentlichkeit beinahe komplett vorbeiging.

 

Vorausgegangen war diesem dramatischen Ereignis die sich zu diesem Zeitpunkt zugespitzte Lage in der Bergkarabach-Region von Aserbaidschan. Seit Jahren machte sich der armenische Separatismus breit und strebte nach einer Abspaltung der Provinz von Aserbaidschan.

 

All das geschah im Lichte der passiven Zuschauerrolle der Kremlführung, die grundsätzlich unwillig war, die verfassungswidrige Handlungen der armenischen Seite zu unterbinden.

 

Der Beschluss des Obersten Sowjets der Armenischen SSR vom 1. Dezember 1989 über die Angliederung von Bergkarabach an Armenien war der letzte Tropfen, der das Fass auf aserbaidschanischer Seite zum Überlaufen brachte. Die von der oppositionellen Volksfrontpartei Aserbaidschans geführten Demonstrationen gegen die Untätigkeit der Sowjetmacht wurden immer radikaler.

 

Noch vor dem Massenmord am 20. Januar wurden alle noch verbliebenen Armenier aus Baku evakuiert. Die armenische Propaganda nimmt seitdem gerne zum Anlasse, die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die in Wirklichkeit vom sowjetischen Geheimdienst KGB organisierten „antiarmenischen Pogrome“ zu lenken. Dass der KGB durchaus die Fäden im Hintergrund zog, zeigte sich vor allem in der Tatsache, dass die sowjetischen Machtstrukturen unter anderem die Strafverfolgungsinstanzen während der Übergriffe auf Armenier in Baku tatenlos zusahen, was wiederum den Verdacht eines zuvor sorgfältig geplanten Szenarios nahelegt.

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Am 15. Januar 1990 verhängte das Präsidium des Obersten Sowjets in Moskau den Ausnahmezustand über das gesamte Territorium Aserbaidschans. Dazu kamen noch die Ausgangssperren in Baku und Gändschä, den beiden großen Städten des Landes.

 

Innerhalb von 3 Tagen mobilisierte die Sowjetführung eine bis zu 50000 Mann zählende Truppe vor den Toren Bakus. Einen derart gewaltigen Aufmarsch hatte die Stadt nie zuvor erlebt.

 

 

Mit persönlicher Zustimmung des letzten Sowjetchefs Michail Gorbatschow, dem viele Europäer immer noch als „Friedensengel“ zujubeln, begannen die bewaffneten sowjetischen Soldaten wahllos auf Zivilisten zu schießen und zerstörten alles, was ihnen in den Weg kam.

 

İronie der Geschichte: Noch im selben Jahr bekam Gorbatschow für seine „hervorragenden Verdienste und den Beitrag zum Frieden“ den Friedensnobelpreis. Sein Verbrechen am aserbaidschanischen Volk spielte für die damaligen Entscheidungsträger in Oslo jedoch keine Rolle. In einem seiner Interviews nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion bezeichnete Gorbatschow die Niederschlagung des Aufstandes in Baku als den größten Fehler seiner gesamten politischen Laufbahn. 

Der 20. Januar, der in Aserbaidschan als „Schwarzer Januar“ genannt wird, besiegelte das Schicksal des Kommunismus in Aserbaidschan endgültig. Er markiert den Wendepunkt in der jüngsten Geschichte des Landes, das seine Unabhängigkeit im Vergleich zu anderen Unionsrepubliken und den Mitgliedstaaten des ehemaligen Ostblocks nach entbehrungsreichen Kämpfen gegen die sowjetische Übermacht erlangen konnte.