Remember Khojaly – Hamburg

Am 28. Februar 2015 fand in Hamburg ein Flashmob anlässlich der Tragödie von Chodschali statt. Unter dem Motto #RememberKhojaly wurde in der Hamburger Innenstadt an der Gabelung der Spitalerstraße / Lilienstraße ein pantomimisches Tanztheater vorgeführt. Die Veranstaltung wurde von Azerbaijan Student Network organisiert.

Die Vorbereitung dieser Veranstaltung dauerte mehr als einen Monat. Die Vorführung war für mich besonders wichtig, da sie schreckliche Ereignisse innerhalb meines Landes thematisierte und ich, zusammen mit Philipp Maier und Vasif Huseynov, gleichzeitig im Organisationskomitee war. Dadurch erhielt ich auch mehr Verantwortung.

Unsere Veranstaltung sollte sich in zwei größere Teile an zwei aufeinanderfolgenden Tagen teilen:

Der erste Tag umfasste die Vorbereitung, Präsentationen und das Kennenlernen.

Am zweiten Tag gab es noch eine Übung, bevor am Nachmittag unser Flashmob begann.

Geplant war, dass die Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Städten Deutschlands nach Hamburg fahren und sich vor Ort auf diese Veranstaltung vorbereiten. Die Kosten für die Anreise, Unterkunft und den Proviant wurden von ASN übernommen.

Ich sollte von Berlin aus nach Hamburg mit 21 Personen reisen. Von Anfang an wurde es etwas stressig, da zwei unserer Mitreisenden sich verspäteten und wir Angst hatten, ohne sie fahren zu müssen. Zum Glück hat letztendlich alles geklappt: sie kamen wenige Minuten vor der Abreise noch pünktlich an. Unsere Reise begann früh morgens um 7:30 Uhr. Die Fahrt von Berlin nach Hamburg dauerte nicht lang (kurz vor 11 Uhr waren wir schon in Hamburg).

Für die Teilnehmer, die außerhalb Hamburgs wohnen, wurde ein Hostel im Zentrum der Stadt gemietet. Nach der Anreise machten wir uns sofort zu unserer Unterkunft auf. Im Hostel habe ich mit Philipp die Aufgaben aufgeteilt. Sonst beschäftigten sich alle anderen erst einmal mit persönlichen Belangen. In der Zwischenzeit trafen unsere Gäste aus anderen Städten ein, die nun vom Hauptbahnhof abgeholt werden mussten. Zuerst kamen Teilnehmer aus Bremen (es handelte sich dabei um eine Gruppe von 7 Personen). Gleichzeitig kam auch eine Gruppe aus Flensburg am Hauptbahnhof an (sie waren zu viert). Nach 10 Minuten erschien auch Vasif mit seiner Ehefrau Ulkar. Später schlossen sich uns noch einige Studenten aus Hamburg und den naheliegenden Städten an. Nachdem wir unsere Arbeit im Hostel erledigt hatten, gingen wir um 12:40 Uhr zur Tanzschule. Philipp kümmerte sich schon vorher um Gruppentickets für die Nutzung der Hamburger Verkehrsbetriebe. So verloren wir keine Zeit und erreichten pünktlich die Tanzschule. Unser Tanzlehrer war Andreas, der sehr optimistisch und freundlich aussah. Andreas begann sofort, den Teilnehmern die Ziele und Herausforderungen zu erklären. Ich konnte allerdings feststellen, dass während der Übungen immer genug Disziplin und Ordnung herrschte. Nach Erklärung der Regeln teilte Andreas die Teilnehmer auf einzelne Gruppen auf, um ihnen die Bewegungselemente beizubringen. In diesem Moment dachte ich, dass es kaum möglich wäre, eine Gruppe von 50 Personen zu kontrollieren bzw. organisieren. Doch Andreas ist dies gut gelungen. Nach drei bis vier Übungen konnte man bereits die Grundzüge des geplanten Flashmobs erkennen. Als man dann noch die Musik hinzufügte, war das Konzept (und die Idee dahinter) schon sehr beeindruckend. Unsere Übungen dauerten an diesem Tag bis 17:30 Uhr (insgesamt 4,5 Stunden). Zwischendurch durften selbstverständlich Pausen und ein nahrhaftes Mittagessen nicht fehlen.

17:30 Uhr gingen wir zurück ins Hostel. Um 18:00 Uhr genehmigten wir uns das Abendessen. Da alle Teilnehmer doch sehr erschöpft waren, dauerte unser Essen ca. eine Stunde. Obwohl wir gleich nach dem Abendessen mit unserem Präsentationsprogramm anfangen wollten, entschieden wir uns (zum Wohle aller) dazu, es um 30 Minuten zu verschieben.

Um 19:30 Uhr trafen wir uns wieder. Zuerst präsentierten wir ASN und die laufenden Projekte. Vasif und ich waren für diesen Teil des Vorhabens zuständig, weshalb ich eine Präsentation ( http://prezi.com/fas6wrgie7qc/?utm_campaign=share&utm_medium=copy&rc=ex0share ) vorbereitete. Ich begrüßte also unsere Gäste und erzählte kurz über ASN. Dann präsentierte ich nacheinander die Mitarbeiter dieser Organisation und forderte sie auf, sich und ihre Projekte vorzustellen. Zuerst stellte sich der Hauptsekretär von ASN Elshan Ismayilov vor. Er erzählte über ASN und die bisher verwirklichten Punkte. Danach folgte Philipp Maier, der mehr über das „Remember Khojaly“-Projekt berichtete. Lucas Höfig redete über seine Vorsätze und seine Arbeit. Gunay Rzayeva konzentrierte sich auf die Projekte „Wikipedia“, „Global Talent“ und „Study in Germany“, die im Rahmen der ASN verwirklicht werden sollen. Danach kam Vasif, der als Hauptvertreter der Organisation in Niedersachsen und Hessen gilt. Anschließend informierte ich die Gäste über meine Person und meine Beiträge, die ich bisher für ASN geleistet habe.

Nach unserer Präsentation berichtete Ilkin Yunuszade über die schrecklichen Ereignisse, die in Chodschali passiert sind. Nachdem auch er sich vorgestellte hatte, stellte Ramiz Mammadov aus Flensburg die wirtschaftliche Lage des Bergkarabachs während und nach der Sowjetzeit vor. Alle Teilnehmer folgten den Ausführungen mit großem Interesse und stellten anschließend ihre Fragen. Nach drei Präsentationen gab es noch eine Diskussionsrunde. Die Diskussion wurde von Heydar Mirza moderiert. Zentrales Thema der Diskussion war der „Bergkarabach-Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan: Stolpersteine auf dem Weg zur Lösung“. Viele Teilnehmer waren von der Reise und den Übungen leider sehr erschöpft. Trotzdem ist es Heydar Mirza gelungen, unsere Gäste zum Sprechen und zur aktiven Teilnahme zu motivieren. Es zeigten sich viele unterschiedliche Meinungen und auch Vorschläge in Bezug auf die Lösung dieses Konfliktes.

Um 22:30 Uhr endete das straffe Programm für den ersten Tag. Nach dem offiziellen Teil gingen viele Studenten noch in die Stadt. Ich ging mit den Teilnehmern aus Bremen in Begleitung von Orxan Gasimli ins türkische Teehaus, wo wir die Möglichkeit hatten, uns etwas näher kennenzulernen. Wir tauschten unsere Meinungen aus und sprachen über eine mögliche Zusammenarbeit.

Der nächste Tag begann bereits um 7:30 Uhr. Zuerst gingen wir natürlich frühstücken, um uns für die kommenden Stunden ausreichend zu stärken. Um 9:30 Uhr sollten wir uns theoretisch auf den Weg zur Tanzschule begeben. Da sich beim Check-Out jedoch einige Teilnehmer verspäteten, konnten wir erst um 9:50 Uhr starten. Mit geringer Verspätung erreichten wir also die Tanzschule und fingen sofort mit den Übungen an. Andreas wirkte dabei sehr seriös. Man konnte aber gleichzeitig die auf ihm lastende Verantwortung spüren.

Nach zwei Generalproben lief alles wie geplant. Alle wussten genau, was sie wann zu tun hatten. Alles verlief tatsächlich stressfrei. Unsere Generalprobe endete um 12:00 Uhr. Bis 13:30 Uhr hatten wir Pause und Zeit für ein Mittagessen. Um 14:00 Uhr waren alle Teilnehmer am vereinbarten Ort.

Philipp und Lucas kümmerten sich vor Ort um die Musikanlage, die Stromversorgung und andere technische Belange. Passanten auf der Spitalerstraße bemerkten alsbald den Trubel. Gegen 15:00 Uhr gab es schon eine Menschenmenge, die einen großen Kreis bildete. Um 15:00 Uhr ging es dann endlich los!

Die Studenten des ASN haben mit Unterstützung von professionellen Künstlern aus Theater und Schauspielkunst den Hamburger Passanten eine ausdrucksstarke Choreographie vorgeführt. Die musikalisch unterstützte Aufführung weckte das Interesse von hunderten Zuschauern, sowie deren Mitgefühl für die Opfer von Chodschali. Nach dieser eindrucksvollen Aufführung hielten die Studenten Dialog mit interessierten Passanten und vergaben hierbei Infokataloge und Kerzen.

Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass unsere Veranstaltung gelungen ist. Ich bin sehr zufrieden mit diesem Projekt allgemein – und dessen Organisation und Ausführung im Speziellen. Durch die gute, gar vorbildliche Zusammenarbeit des Teams ist alles planmäßig verlaufen. An dieser Stelle möchte ich mich bei Philipp Maier, Elshan Ismayilov, Vasif Huseynov und Lucas Höfig für die harmonische Arbeit bedanken. Darüber hinaus richtet sich mein Dank an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die den Flashmob zu einem derartigen Erfolg gemacht haben. Ich freue mich auf neue Herausforderungen.

Völkermord von Chodschali

In der Nacht vom 25. zum 26. Februar 1992 griffen die armenischen Streitkräfte, mit direkter Teilnahme von Einheiten des zu jenem Zeitpunkt in der Stadt Chankendi der Berg-Karabach-Region der Republik Aserbaidschan stationierten 366. Motorschützenregiments der russischen Armee, die Stadt Chodschali an. Chodschali befand sich an einem militärischstrategisch bedeutenden Punkt – am Kreuzweg zwischen den Städten Aghdam und Schuscha, und besaß den einzigen Flughafen in der Region.

Als Folge dieses Kriegsverbrechens waren 613 Leute gefallen, 1275 Zivilisten wurden gefangen genommen. Von 150 dieser Gefangenen fehlt bis heute jede Spur. Durch diese Tragödie sind 487 friedliche Bewohner der Stadt verschiedenen Grades behindert. 106 der Getöteten sind Frauen, 83 sind Kinder. 6 Familien sind völlig ausgelöscht worden. 25 Kinder haben beide Eltern, 130 Kinder haben einen Elternteil verloren. Die renommierte internationale Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ nannte diese Tragödie „das größte Massaker im Konflikt“.

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