Treffen mit dem türkischen Botschafter

Am 23. September 2015 hat der türkische Botschafter Herr Hüseyin Avni Karslioglu in seinem Büro Mitglieder vom Azerbaijan Student Network (ASN) im Botschaftsgebäude in Berlin empfangen. Im Treffen war auch der Botschaftsrat Herr Mert Özmert anwesend, der auch an unserem interreligiösen Iftar-Mahl in der Sehitlik Moschee im Juli 2015 teilgenommen hat.

Das Gespräch fand in einer freundschaftlich-lockeren Atmosphäre statt und wurde mit türkischem Tee und kleinen Leckereien begleitet.

Karslioglu gehört sicherlich zu den bekanntesten türkischen Diplomaten. Auch für ASN-Mitglieder war das Treffen mit ihm interessant, da er auch ein Jahr als Botschafter in Baku gelebt hat. Für ihn war diese Zeit „leider zu kurz“. Er hätte ruhig weitere 4-5 Jahre dort berufsbedingt leben können. Schließlich ist das Gebiet die Heimat „unserer Vorfahren“. Der Name „Karslioglu“ ist somit auch kein Zufall. Seine Vorfahren kommen ursprünglich aus dem heutigen Aserbaidschan bzw. Dagestan. Als er dienstlich auch im Iran tätig war, hatte er gute Kontakte zu den Aserbaidschanischen Türken aufgebaut. „Die Karriere als Botschafter ist vor allem in der Diplomatie für türkische Diplomaten ein Höhepunkt. Aber als Botschafter in Baku zu dienen ist es ein ganz besonderer Höhepunkt! In kurzer Zeit sind tolle Freundschaften entstanden. Auch heute bekomme ich noch Geschenke aus Baku. Man vermisst die Zeit schon…Sehen Sie, ich sammele leidenschaftlich historische Atlanten. Zunächst schaue ich mir unsere Region an, den Kaukasus.“ so Karslioglu.

Tatsächlich hat er mehrere Atlanten aus verschiedenen Jahrzehnten und Jahrhunderten gesammelt. Auf diesen hat er historische Karten der Kaukasus-Region und der Türkei gezeigt, die die ASN-Mitglieder mit großem Interesse beobachtet haben. Durch die Karten war zu erkennen, wie oft und wie erheblich die Grenzen des Kaukasus verändert wurden.

Des Weiteren wurden auch aktuelle Themen wie die Flüchtlingswellen besprochen. In Bezug auf dieses Thema sei das einzige Prinzip des türkischen Staates „Humanismus“. Die Türkei ist das Land, die über 2 Millionen Flüchtlinge aufgenommen hat. Der Grund sei, warum die türkische Gesellschaft und der Staat lockerer mit den Flüchtlingen umgeht, dass man die Notsituation kennt und das Leid der Menschen vielen bewusst ist. Immerhin sei die Türkei immer ein Zufluchtsort für viele aus den Krisengebieten gewesen: aus den Irak Kriegen, nach der Revolution von 1979 aus dem Iran, durch die Balkankriege, Bulgarien und auch sephardische Juden wurden 1492 aufgenommen, so wie Deutsche, die vom Nazi-Regime geflohen waren.

Bezüglich der Armenierfrage, sei es die Geschehnisse von 1915 oder der Berg-Karabach Konflikt, habe man vor allem in der Öffentlichkeit große Schwierigkeiten. Es herrsche in Europa und somit auch in Deutschland eine selektive Wahrnehmung zu diesen Konflikten. Die Argumentation der türkischen oder der aserbaidschanischen Seite werden gar nicht beachtet: „Darüber hinaus wird aber kein einziges Wort über die Gräueltaten der Armenier gesprochen. Um aber die Fakten zu verbreiten, müssen Aserbaidschanische Türken und Türkei Türken zusammenarbeiten.“, so Karslioglu.

Neben weiteren außenpolitischen Themen wurde auch die Frage gestellt, warum ausgerechnet viele türkische Akademiker bzw. Absolventen Deutschland verlassen um in der Türkei zu arbeiten. Es gäbe viele Faktoren dafür. Man fühle sich hier als Arbeitnehmer zweiter Klasse und begegne mit vielen Diskriminierungen. Durch die Qualifizierungen aus Deutschland habe man gute Karten in der Türkei, sodass man gutes Geld verdient und ein schönes Leben gestalten kann.

Am Ende des Gesprächs hat Asif Masimov ein Buch über die aserbaidschanischen Miniaturen und ein ASN-Insights Prospekt überreicht, in dem die Aktivitäten unseres Vereins aus der Vergangenheit beschrieben werden.

Für uns ASN-Mitglieder war es eine Ehre mit dem Botschafter und dem Botschaftsrat ein Gespräch geführt zu haben. Wir bedanken uns für den freundlichen Empfang und hoffen auf weitere produktive Treffen.

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